Reinhold Schulz: Die Glühbirne

In einer Stadt fand eine wissenschaftliche Konferenz statt. Drei der Teilnehmer trafen sich im Hotelzimmer, um zur Feier des Tages etwas zu trinken. Plötzlich wurde es dunkel. Die Glühbirne hatte den Geist aufgegeben. Sie wurde ausgewechselt und blieb auf dem Tisch liegen.
Einer von den Männern, schon leicht beschwipst, meinte, dass man die Glühbirne zwar in den Mund schieben, aber nicht mehr herausnehmen könnte. Das löste eine erregte Debatte aus.
„Ich bin Doktor der Physik und behaupte: wenn das Ding in den Mund hineinpasst, geht’s auch wieder raus“, sagte einer der jungen Wissenschaftler ziemlich überheblich.
Und schwupp! hatte er die Glühlampe in den Mund geschoben. Aber heraus ging sie nicht.
Die beiden anderen versuchten es, auf jegliche Art und Weise ihm zu helfen. Selbst das Einfetten half nichts. Es blieb nur noch der Weg ins Krankenhaus.
Sie nahmen ein Taxi und machten sich auf den Weg. Dort angekommen, trafen sie als erstes eine Krankenschwester und erklärten ihr die Situation. Sie rief einen Arzt herbei.
Der sah sich kurz den Patienten an, ab ihm einen schnellen Hieb auf die Stelle, wo der Unterkiefer an den Schädel grenzt, und die Glühbirne glitt heraus. Nur der Mund des Armen stand sperrangelweit offen.
„Das ist normal“, sagte der Arzt, „in zwei bis drei Stunden wird das vorbei sein. Kiefersperre heißt es im Volksmund“.
Die jungen Gelehrten bedankten sich und fuhren ins Hotel zurück. Der Unglücksrabe saß auf dem Beifahrersitz. Den Mund weit geöffnet, sah er überhaupt nicht mehr sehr gelehrt aus. Die beiden anderen auf dem Hintersitz des Wagens diskutierten derweil weiter. Der eine von ihnen sagte immer wieder: „Ich kann es nicht begreifen, wie so etwas möglich ist! Das gibt’s doch einfach nicht!“
Der andere war es leid, gab ihm die Glühbirne und sagte:
„Dann versuch es doch mal selbst!“
Der Zweifler versuchte es wirklich. Das Taxi kehrte sofort um und fuhr zurück ins Krankenhaus. Die Schwester wurde blass und rief: „Nei-in!“ Sie holte wieder den Arzt herbei.
Dieser brach in ein riesiges Gelächter aus und wollte sich gar nicht beruhigen. Dann befreite er den Zweifler auf die gleiche Weise wie vorher seinen Freund.
Für die Rückfahrt nahmen sie ein anderes Taxi. Der Fahrer sah die zwei leicht bescheuert aussehenden Männer mit den weit geöffneten Mündern an und fragte neugierig:
„Wohin soll ich die Behinderten fahren?“
„Die sind nicht behindert. Es war …