Dieses ist ein Versuch, die Aussagekraft von Deutsch und Russisch vergleichend zu messen. Betrachtungen über Eigenheiten und ähnlichkeiten beider Sprachen wechseln ab mit Kurzberichten darüber, wie verschiedene Nachdichter, unter ihnen jedesmal als Mitbewerber auch der Buchautor, etliche berühmte russische Gedichte eingedeutscht haben.
Das Buch wendet sich an Gleichgestimmte, in deren Empfinden das deutsche Wort и слово русское klangverbunden sind wie Vogelsang in aller Frühe und sänftigend wie abendlicher Glockenhall.

Sie war mein Stolz, mein Leid, mein Traum, mein Trauma,
mein Notanker, mein Schirm im freien Fall –
(das Wort, das in den Herzen widerhallt,
wie finde ich’s?) – sie war mein Seelentaumel,
die deutsche Muttersprache, als wir kaum noch
ein wenig Luft bekamen, denn brutal
hielt Stalin seinen tabakgelben Daumen
an unsrer Kehle damals festgekrallt.

Der überschwang hat sich gelegt, geblieben
ist eine alltag-resistente Liebe,
die sich genügt, sich selber Lohn und Preis ist.

Und täglich wächst mein Zorn, wenn ich erlebe,
wie wir in äffischem Nachplapperstreben
der Sprachverhunzung sträflich Vorschub leisten.