Der Begriff musikalische Infrastruktur meint eine spezifische Form von ­Infrastruktur im wirtschaftlichen und staatspolitischen Sinne, nämlich die Gesamtheit aller Grundeinrichtungen, Anlagen und Gegebenheiten personeller, materieller oder institutioneller Art, um das Funktionieren einer Musikkultur zu gewährleisten. Sie entsteht aus der privaten und öffentlichen musikalischen Praxis (als einer Form des geistig-kulturellen Lebens) heraus und fördert sie (oder auch behindert sie). Die musikalische Infrastruktur äußert sich im Wirken und Handeln von realen, Musik produzierenden wie konsumierenden Persönlichkeiten wie Komponisten, Instrumentenbauern, Interpreten, Verlegern und Notendruckern, Pädagogen oder Rezipienten (wie Hörern in Konzertveranstaltungen, von Rundfunk- und Fernsehübertragungen oder von Tonträgern und digitalen Medien), aber auch in erzeugten materiellen Produkten (Musikhandschriften, Notendrucke, Tonträger, Musikinstrumente, Aufführungsstätten usw.) und ideellen Ergebnissen (Komposition, Interpretation, Rezeption, Musiktheorie, Musikphilosophie und -ästhetik, Musikgeschichte u.a.) ebenso wie in den sozialen Einrichtungen des Bildungswesens (Hochschulen und Universitäten, Konservatorien, Schulen, Bibliotheken), der Dienstleistungen (musikalische und musikbezogene Vereine, Stiftungen, Museen, Ausstellungen), der Kirchen und des Rechts. Insofern prägt die musikalische Infrastruktur, die zugleich Ergebnis und Impuls der öffentlichen musikalischen Praxis ist, die Entwicklung der Tonkunst wesentlich.