Bronzen und geschmeidig
ruderst du allein,
weich hüllt knappe Seide
deine Anmut ein.

Kleidsam und bescheiden
ist das Blütenweiß,
schalkhaft gibt die Seide
deine Anmut preis.

Solchen glatten Haares
blaue Schwärze kennt,
solche Sternenpaare
nur der Orient.

Eine starke Flechte
streift, dir unbewusst,
ein verliebter Wächter,
deine junge Brust.

Sanfte Doppelhebung,
seide-überweht,
lauscht mit leisem Beben,
wie dein Atem geht.

Hältst du deinen Arm hin
übers kalte Nass,
spiegelt es sein warmes,
braunes Ebenmaß.

Heiß der Sonne Ultra-
Strahl gesteht der Welt,
was er von der Schulter
zarten Linie hält.

Selbst die kühlen Lüfte
fächeln lauen Gruß
deiner weichen Hüfte,
deinem schmalen Fuß.

Stolz befolgt das schwanke
Fahrzeug jeden Wink,
lässig-leicht dein schlanker
Leib im Takte schwingt.

Eine stumme Frage
gibt dir das Geleit:
Traum bei lichtem Tage,
bist du Wirklichkeit?

Sonne, See und Himmel,
Kluft und Felsenhöh,
und das Strandgewimmel
fern und in der Näh

sind der Macht verfallen
deines Zauberbanns,
schönstes du von allen
Mädchen Kasachstans!

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Lob der Frau

Wärmequelle!
Hüterin des Hauses!
Stark dein Herz,
die raue Hand so weich!
Hundert Lasten,
Sorgen hunderttausend
(Gleiche Rechte –
auch die Pflichten gleich?)
Diese Hand,
was muss sie alles tragen,
jeder will
von ihr bemuttert sein.
Licht- und Kraftquell,
nie versagend!
Düstern Kleinmut
scheucht dein steter Schein.

Unsrer Träume Ziel
in deiner kurzen Jugend,
erd-entrücktes,
strahlendes Idol!
Nach dem Taumel
jenes Höhenfluges –
unsrer Erdenmühen
fester Pol.
Wenn die Wetter brausen,
sichrer Ankerstelle
streben alle zu.
Hüterin des Hauses,
Lebensquelle
du!

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Lebenslauf

Ein später Start – der Urwald war dran schuld.
Dann kam die Schicksalsfrage: Willst du’s wagen?

Da hängte er die Forschung an den Nagel,
erhob die Republik-Idee zum Kult.

Sturheit und Schnüffelei – zwei Dauerplagen,
und Rufmord auch, mal offen, mal okkult.

Bald schoss ein Führertum ins Kraut, getragen
fürsorglich von des Kremls Gunst und Huld.

Zehn Jahre Stilfritz – fremden Sprachwust bürsten,
zum Dank – gehasst von manchen Dichterfürsten …

Dann hatte er es dick. Und ging. Verstellt
ward ihm der Weg von jener dumpfen Mauer …

Heut darf er Schnüffler und auch „Führer“ schauen
im Ehrenkleid. Das ist der Lauf der Welt.

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Die überraschung

Hellas, du Land der Mythen und Legenden,
die uns meist drastisch, mal auch abgemildert
uralte Wahrheiten poetisch schildern …
Hellas, dein Zauber strahlt in alle Länder!

Die Menschen schufen lustvoll sich zum Bilde
hier eine Götterwelt mit Knatsch und Händeln,
mit Leidenschaften, schamlos-frechen, wilden,
mit Abenteuern sonder Zahl und Ende …

Und als Olympia heimfand zu den Erben,
umwob der Zauber alle Wettbewerbe
und gipfelte, was keiner vorher wusste
noch ahnen konnte, in dem Wunder-Gag:

Das kleine Mädchen unten schafft es keck,
die Fackel hoch am Himmel auszupusten.

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Last-minute-Flug?

Ob Puma, Hai, ob Hummel oder Reh –
dein Herz schlug für die Wunderwelt der Tiere.
Ein Hang, den Buch und Bildschirm täglich schürten.
„Einmal Neuseeland!“, schwärmtest du seit je.

Mir war’s egal, was wem und wo passierte,
ich konnte deine Fernsucht nie verstehn.
Auch als uns offen standen alle Türen,
da klebte ich am Schreibtisch fest und zäh.

Neuseeland? Nur ein Stückchen Wuhletal,
statt Kängurus ein Hoppelhase mal –
so dürfen Lebensträume doch nicht enden!

Versuchen wir’s von Neuem! Ehrenwort!
Ich buche einen Non-stop-Flug sofort
ins allerfernste deiner Fernweh-Länder!

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Endstation

Die Wendepforte kreischt – ein Klageschrei.
Dann kann ich dieser tiefen Stille lauschen.
Nur unsichtbare S-Bahnzüge rauschen
an den hier Ruhenden vorbei, vorbei.

Mit dieser Abgeschiedenheit vertausche
ich gern den Wohnsitz, lebe mich hier ein …
Ich bau ein neues Heim, der erste Baustein,
das soll die Bank an dieser Birke sein.

Man wird letztendlich eben reisemüde.
Wo fänd ich einen bessern Rastplatz wieder,
als neben dir, mein Reisekamerad!

Wir werden dieser tiefen Stille lauschen,
und unaufhaltsam wird das Leben rauschen
vorbei, vorbei an unsrer Ruhestatt.