Mond, Birke und Wind

Gern möchte ich wissen, wem heute Abend
der alte Mond den Hof macht?
Vielleicht gar mir, weil er wie fragend
mit einem Aug’ mich anlacht?

Vielleicht der Birke? Jener Schönen
in schwarz-weiß seidnen Socken?
Doch schüttelt sie, verneinend, höhnend,
die gelb-braun-roten Locken,

weil leidenschaftlich sie schon lange
den frohen jungen Wind liebt
und ihm, des nahen Abschieds bange,
ihr Leben Blatt für Blatt gibt.

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Solange ich lebe

Schenke mir Blumen, solange ich lebe,
solange ihr Duft mein Gefühl kann erheben.
Solange die zarten Blätter mich freuen …
Nachher … Ja, nachher wirst du es bereuen

Singe mir Lieder, solange ich lebe,
solange ihr Klang lässt die Seele erbeben.
Willst du mich glücklich sehn, sing immer wieder.
Nachher … Ach, nachher brauch ich keine Lieder

Schenke mir Liebe, solange ich lebe,
solange im täglichen Schaffen und Streben
dein liebreiches Wort kann mein Leben verschönen …
Nachher brauch ich weder Blumen noch Tränen …

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Farben

Meine liebste Farbe ist die blaue.
Unsres Himmels Farbe, die vertraute.

Meine liebste Farbe ist die gelbe.
Unsrer Sonne Farbe ist dieselbe.

Meine liebste Farbe ist die rote:
Wunderschön sind rote Rosen.

Auch die grüne Farbe hab ich gern:
Wiesen, Felder, Wälder nah und fern.

Doch die Allerliebste ist die weiße:
Weiße Tauben Frieden uns verheißen.